Lichen Sclerosus bei der Frau
 

Wie erkenne ich Lichen Sclerosus?

Die typischen Symptome sind (bei vielen, aber nicht allen Frauen in Schüben auftretendes) Jucken und/oder Brennen im Genitalbereich. Es gibt aber auch Frauen, die keinen Juckreiz haben. Im Frühstadium sind visuelle Haut-Veränderungen kaum erkennbar, weswegen der LS häufig mit Infektionen, insbesondere Pilzinfektionen, verwechselt wird. Typisch sind auch Beschwerden beim Geschlechtsverkehr, wobei die Penetration das schmerzhafte Ereignis ist, die Scheide (Vagina) selbst ist gewöhnlich nicht das Problem. Einige Frauen haben keine Beschwerden beim Geschlechtsverkehr, aber danach ein ausgeprägtes Wundgefühl, das einige Tage anhält (z.B. aufgrund von kleinen Rissen am hinteren Scheideneingang). Auch Blasenprobleme werden häufig beschrieben, meist ohne bakteriellen Befund, und auch der Anus und die Gesässspalte können von LS betroffen sein oder im Lauf der Krankheit betroffen werden.

Nützlich ist ein Handspiegel, um den äusseren Genitalteil (Vulva und Anusbereich) genau zu betrachten. Treten vereinzelt weissliche Beläge auf und/oder Risse in der Haut, insbesondere am hinteren Scheideneingang, oder beginnen die kleinen Schamlippen mit den grossen zu verkleben, ist dies verdächtig. Auch der Anusbereich kann von LS betroffen sein.

Siehe Selbstuntersuchungsflyer (Download pdf)

 

Wie erkennt mein Arzt Lichen Sclerosus?

LS ist eigentlich eine Blickdiagnose, doch Ärzte haben häufig grosse Schwierigkeiten, vor allem im Frühstadium. Die Diagnose wird bei vielen Frauen leider oft erst Jahre nach Auftreten der ersten Syptome gestellt, wenn die Krankheit schon weiter fortgeschritten ist. Wichtig ist, dass Patienten und Patientinnen sämtliche Symptome im Detail beschreiben und ihren Arzt auch von sich aus auf die Möglichkeit einer LS-Diagnose angesprechen. Durch die lokal gestörte Immunabwehr kann der LS Infektionen begünstigen, wie z.B. Feigwarzen oder Pilzinfektionen, die dann die Grunderkrankung LS nicht selten durch solche Begleitinfektionen maskieren. Bei detaillierter Beschreibung aller Symptome und bei genauer Untersuchung durch einen erfahrenen Arzt sollte ein LS als mögliche Diagsnose in die engere Wahl fallen, denn andere Infektionen machen selten das komplexe Bild eines LS aus mit seiner Kombination aus Rissen, Belägen und Rötungen.

Ob Biopsien zur Diagnosesicherung eines Lichen Sclerosus erforderlich sind, wird von den Experten unterschiedlich diskutiert. Auf alle Fälle sollte eine Biopsie nur durch einen Spezialisten erfolgen, denn es gilt Wichtiges zu beachten.

Zum Thema Biopsien orientieren wir unter "Information auch für Ärzte" im Detail.

 

Therapie und Behandlung

Zum Thema Therapie sehen Sie bitte unter "Diagnose und Behandlung" sowie unter "Information auch für Ärzte".

Bei langjährig unbehandelten Betroffenen kann ein interdisziplinärer Ansatz sinnvoll sein (Physiotherapie, Sexualtherapie, siehe nachfolgend).

Zum Thema LS und Blasenbeschwerden orientieren wir unter der Lasche "Begleiterkrankungen" sowie unter der Lasche "Information auch für Ärzte".

 

Zusatzmassnahmen zur Salbentherapie

Neben der Standart-Therapie mit Salben (wie mehrfach beschrieben auf unseren Informationsseiten) können weitere Massnahmen helfen, betroffenen Frauen das Leben mit LS zu erleichtern.

Dehnen

LS beeinträchtigt nicht selten auch das Sexualleben und damit die Partnerschaft. Bei wiederholten Einreissen und Wundsein nach dem Geschlechtsverkehr und bei einer Atrophie (=Schrumpfung) der Haut (aufgrund verminderter Elastizität der Haut) kann konsequentes Dehnen des Scheideneingangs mit sogenannten Dehnstiften (Dilatoren) helfen. Dank dem Dehnen haben schon etliche Frauen zu einem schmerzfreien Geschlechtsverkehr ohne Einreissen zurückgefunden. Zum Thema Dehnen offeriert der Verein periodische Workshops, siehe unter "Was wir wollen und bieten" / Workshops. Eine Anleitung zum Dehnen und entsprechende Erfahrungsberichte stellen wir im Mitgliederbereich zur Verfügung.

Beckenbodenlockerung als zusätzliche Hilfsmassnahme bei starken Verspannungen im Beckenbereich

Frauen mit Lichen Sclerosus haben oft einen langen Leidensweg hinter sich, die Diagnose erfolgt oft sehr spät.  Die ständigen Hautreizungen und vielen Schmerzen können auf die Dauer langfristig reflektorisch zu einer massiven Verspannung der Beckenbodenmuskulatur führen, welche wiederum Schmerzen und Empfindungen wie Brennen auslösen kann. Speziell geschulte und dafür ausgebildete Physiotherapeuten/innen können mit speziellen Massagen und Lockerungstherapie helfen (intravaginale Triggerpunkt Massage). Der Verein bietet periodisch Workshops zum Thema "Beckenboden loslassen - Schmerzen reduzieren" an und kennt entsprechend geschulte Therapeuten. Einige Entspannungsübungen werden im Mitgliederbereich vorgestellt.